§§Recht und Gerechtigkeit§§

Recht ist nicht immer gerecht.

Was als gerecht empfunden wird, kann durchaus auch unrecht sein.

Natürlich gibt es auch das Gegenteil: Recht ist unrecht.

Ich denke da an die sogenannten „Schwulengesetze”, die es lange in Europa gab und in manchen Ländern unserer Zeit, steht immer noch die Todesstrafe auf Homosexualität. Hier würde ich einfach mal aus dem Bauch heraus behaupten: Recht (also das Gesetz) ist unrecht.

Ebenso die Gesetze gegen Abtreibung. Auch heute ist es nicht so einfach, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Das ist aus meinem Empfinden auch richtig so, denn ein Schwangerschaftsabbruch sollte keine Alternative zur Empfängnisverhütung sein. Ach da fällt mir ein: es gibt ja auch Länder, in denen Empfängnisverhütung auch nicht erlaubt ist, ob es da Gesetze gibt, kann ich so nicht behaupten, aber da gibt es diesen moralisch-sozialen Druck …

Jedenfalls gibt es Länder, in denen eine Abtreibung legal nicht vorgenommen werden kann, weil darauf Gefängnis steht.

Finde ich das richtig? – Nein!

Nun wird es aber sofort Menschen geben, die aus ihrer Erziehung heraus, aus ihrem Verständnis von Religion und Moral heraus, genau diese Gesetze als gerecht und richtig empfinden.

Wer also hat recht?

Ich weiß es nicht. Ich heiße nicht Salomon und bin auch nicht Ludwig der Vierzehnte, der von sich behauptete, er sei das Recht.

Also habe ich mir überlegte, welcher Maßstab mir helfen könnte, zu entscheiden, was recht ist, was richtig ist und was Gesetz sein sollte. Ich kam zu dem Schluss, dass ein Gesetz, oder eine Einstellung, die das Leben einer anderen Person beendet, nicht richtig sein kann.

Und dann kam diese Nachrichtenmeldung vom 24.März 2017. Ein als terroristischer Gefährder eingestufter Tunesier sollte nach Tunesien abgeschoben werden. Quelle: Abschiebung gestoppt

Mein Rechtsempfinden war damit einverstanden. Ich bin durchaus dafür, dass Menschen, die vor Gefahren bei sich in der Heimat fliehen, Asyl bekommen, dass man ihnen hilft. Wobei es mir schon lieber wäre, das ließe sich so arrangieren, dass sie sich nicht auf den gefährlichen Weg machen müssen, um dann hier zu landen. Es wäre durchaus besser, eine Lösung zu finden, die dafür sorgt, dass die Menschen gar nicht erst zu fliehen brauchen.

Ich bin aber auch der Meinung, dass Menschen, die die Gastfreundschaft – und dies ist eine uralte und geheiligte Sitte – missbrauchen, ihr Recht verwirkt haben.

Jedenfalls war mein spontaner Gedanke bei der Nachricht: „Gut.”

Dann ging die Nachricht weiter: Gegen den Terrorverdächtigen, wird wegen Mitgliedschaft in einer Terrorzelle in Tunesien ermittelt. Aus Deutschland sollte er abgeschoben werden, weil er auch hier verdächtigt wird, einer Terrorzelle anzugehören. Er hat aber seinen Abschiebung in letzter Minute aufgeschoben bekommen. Weil er Asyl beantragt hat hier in Deutschland, weil ihm in Tunesien eventuelll die Todesstrafe droht und die Gefängnisse dort nicht den menschenrechtlichen Standards entsprechen.

Ich war baff.

Jemand, der nichts dabei findet, andere Menschen zu töten, geht her und beansprucht für sich das Recht, in einem „sicheren” Land zu leben – und dort wahrscheinlich weiter Terror zu verbreiten.

Und ganz kurz, dachte ich: „Schickt ihn zurück. Er hat alle Rechte verwirkt.” und ich konnte die Richter nicht verstehen, die die Abschiebung aussetzen.

Aber dann kam diese Sache mit Recht und Gerechtigkeit.

Wenn wir beginnen, aus einem Gefühl des Unrechtsempfindens heraus, gegen unsere eigenen Gesetze zu verstoßen, dann hat unser Rechtsstaat keine Bedeutung mehr. Denn dann gelten keine Regeln mehr.

Die Gesetze, die jetzt verhindern, dass ein Mensch, abgeschoben wird, der diese Gesetze missachtet und mit Füßen tritt wurden nicht ohne Grund geschaffen und die Justiz kann nicht hergehen und ein Gesetz für eine Person anwenden und dasselbe Gesetz für eine andere Person aussetzen.

Wenn wir das tun, sind wir nicht besser, wie die Terroristen.

Natürlich ist mir auch klar, dass Gesetze immer mal wieder gebeugt werden und auch in unserem Staat, Recht nicht immer gleich Gerechtigkeit bedeutet. Aber ich weiß auch, dass es hier schon mal sehr viel schlimmer war und in anderen Ländern auch noch ist.

Deshalb, auch wenn ich ab und an mit den Entscheidungen nicht glücklich bin, bin ich doch dankbar, dass die Gerichte nicht mit Schnellschuss arbeiten, sondern sich alle Aspekte genau ansehen. Wenn ich auch manchmal denke, es könnte durchaus noch eine dritte Geschwindigkeit geben zwischen: Schnellschuss und Schneckentempo.

Es muss natürlich eine Lösung her, die verhindert, dass ein Mensch das System schamlos für seine Zwecke ausnutzt und von innen aushöhlt.

Wie diese Lösung aussieht? Keine Ahnung.

Übrigens ist dies kein Problem der Neuzeit.

Im ersten Buch Mose spricht Abraham mit Gott: „ … Das sei ferne von dir, daß du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, daß der Gerechte sei gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir, der du aller Welt Richter bist! Du wirst so nicht richten.”

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Helfen…Miteinander … Solidarität

Wann war das? Muss schon ein paar Jahrhunderfluten her sein…

Ich erinner mich, da sind in einem Sommer viele Menschen aus dem Süden dieser unserer Republik spontan gen östliche Gefilde in dieser unserer Republik gefahren. Nein. Nicht um Urlaub zu machen…sondern, um zu helfen.

Sowohl organisisert, via THW, DRK, JUH, und und, als auch privat.

Ich erinner mich an einen Kleinbauern aus meiner Ecke, der auf eigene Kosten mit seinem Traktor und Anhänger nach Sachsen-Anhalt fuhr, um Tierfutter (aus eigener Produktion) zu geben, denn er sagte: „Die werden das sicher brauchen. Nach dem langen Regen und der Flut, hungern die Tiere doch und die Landwirte werden Probleme haben, gutes Heu zu finden.“

Da waren die Taucher der THW aus anderen Bundesländern, die versuchten die Deiche abzudichten, die Leute aus diversen Bereitschaften der REttungsdienste, die ihren Urlaub dran gaben, um in Suppenküchen zu arbeiten, den Leuten auf den Deichen medizinischen Unterstützung zu geben und und und.

Und natürlich auch die Leute selber: Sie haben sich selbst gegenseitig gestützt, geholfen und sind nach der Arbeit auf die Deiche, Sandsäcke hieven.

Da war diese eine Frau, die in der Unterkunft der Rettungskräfte auftauchte und eine riesengroße Portion Donauwellen brachte, als kleines Dankeschön für die Hilfe, die geleistet wurde.

Ich habe sie bewundert, die Ossis, die sagten:  „Es ist wie es ist, und da müssen wir durch. Wir schaffen das!“ Viele haben damals ihr Heim verloren, als die Deiche dann doch brachen. Aber sie haben sich gegenseitig geholfen und es gab keine Besserwessis und keine Jammerossis. Es gab Menschen, die Hilfe brauchten und Menschen, die sie gewährten. Ohne Hintergedanken, ohne Gehässigkeit.

Ich bewundere diese Leute immer noch. Egal ob Ost oder West. Die Erkenntnis, dass da Hilfe benötigt wurde, die Bereitschaft, das wenige zu teilen, das man hat und das Durchhaltevermögen.

Auch hat damals niemand gesagt: es gibt würdige und unwürdige. Geholfen wurde jedem, ob sympathisch oder unsympathisch.

 

 

 

 

 

Kleiderordnung

Wer hat so ein langes Gedächtniss, dass er sich noch an die anderen Skandale in der europäischen Geschichte erinnert in Bezug auf Kleidung?

Interessanterweise ging es glaube ich, immer um Frauenkleidung.

Oh..stimmt gar nicht… Als die Kreuzritter nach Europa zurückkamen und Hosen im Gepäck hatten, da war die Rede davon, sie sollten keine weibischen Kleider tragen.

Aber um die Wende des 19. Jahrhunderts zum 20. Jahrhunderts wurden Frauen fertig gemacht, die es wagten „Beinkleider“ zu tragen. Bloomers und ähnliches.

Dann wurden die Röcke immer kürzer, aber nur weil während und nach dem Krieg (der erste Weltkrieg…wir erinnern uns … ) Stoff rar war. Je mehr Frauen ihren „Mann“ stehen mussten, desto eher wurde auch akzeptiert, dass sie Hosen anzogen. Zunächst natürlich nur zur Arbeit.

Dann  die Badeanzüge. Ohjemine. Als Frauen es wagten, in öffentliche Bäder zu gehen, war das zu Anfang nur möglich, wenn sie Kleidung trugen, die deutlich mehr verdeckte als die modernen Burkinis.

Es dauerte lange, sehr lange bis wir die moderne Badekleidung tragen durften. Wer erinnert sich noch an die Skandale, als Bikins aufkamen?

Ich will jetzt nicht darüber reden, dass manche Männer und Frauen eventuell attraktiver wirken, wenn sie etwas mehr Hüllen tragen. Ich weiß selber, dass ich auch nicht eine gute Bikinifigur mache.

Wer erinnert sich noch an die Zeit, als bei den Mädchen in der Schule, die Länge der Röcke nachgemessen wurde, damit sie ja nicht zu kurz waren?

Ich finde Bhurkas auch nicht schön. Wenn ich ein Kopftrug tragen soll dann bekomme ich Beklemmungen. Aber wenn jemand privat sowas tragen will. Dann soll sie.

Wohlgemerkt: wenn SIE das will. Nicht weil sie gezwungen wird oder weil eine Religion das verlangt.

Also ertrage ich an öffentlichen Stränden sowohl Frauen in Burkinis, als auch Männer in extrem kurzen Badehosen, die fast nicht zu sehen sind, weil ihre Wampe das bisschen Stoff verdeckt. Ich akzeptiere auch briefmarkengroße Bikinioberteile und Arschgeweihe, die als Bikinihose daherkommen.

Also privat bin ich der Meinung: jeder so wie er/sie will. Öffentlich vielleicht weniger. Wenn ich einen Beruf ergreife, in dem ich ein gewisses sagen wir mal Image vertrete. Und zwar nicht meines sondern das Image meines Arbeitgebers, dann sieht die Chose anders aus. Sprich: wenn  man für den Staat arbeitet, dann sollte man auf aufdringliche persönliche Meinungsäusserungen verzichten. Ob das nun ein Parteiabzeichen ist, ein Kopftuch, um die Religionszugehörigkeit zu demonstrieren,  sind…

Was ich nicht aktzeptieren kann und will ist allerdings, wenn eine oder mehrere Personen es erzwingen wollen, dass in einem Bereich nur Männer oder nur Frauen arbeiten dürfen, und dies mit Religion begründen und es dann auch durchsetzen.

Frauenbad in Basel

Beispiele?: katholische Priester… , gibt es weibliche Imane?, …

 

 

 

Wie war das damals? Fragen an meine Eltern

Ich war ja in den 1960ern und 1970er noch relativ jung und habe vieles nur so am Rande irgendwie mitgekriegt.

Reflektiert sicher nicht. Als Kind lebt man ja eigentlich nur :).

Momentan mit den ganzen Terroranschlägen, der allgemeinen Verunsicherung und den Diskussionen drängte sich mir der Gedanke auf, dass das doch ähnlich sein müsste, wie damals als die RAF in Deutschland so aktiv war.

Wie war damals das Gefühl? War die Angst auch da, dass man beim Einkaufen vielleicht in einen Anschlag geraten könnte?

Oder in Nordirland? Die IRA und die Protestanten? Gibt es oder gab es gefühlt einen Unterschied für die Menschen, die unter diesen Anschlägen leiden mussten zur Situation heute?

Oder Israel und die Palästinenser?

Und wenn ich so darüber nachdenke, und meine Gefühle zu sortieren suche, dann fällt mir auf, eigentlich ist das ja noch gar nicht so lange her.  …